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Kleine Geschichten

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Die Prinzenrolle

Und man mag es nicht glauben, aber ähnlich verhielt es sich auch bei Fatman. Wobei dieser Name eigentlich nicht mehr zutraf, denn er war von der Hitze eher ein wenig zu sehr ausgemergelt. Die Kindererziehungsanstalt hinter sich lassend, war er wieder auf einer Eliteschule angemeldet. Mit grau weiß kleinkariertem Sakko und  einem gelben Knautschleder Aktenkoffer betrat er die neue Schule und wurde sofort von den Anderen verhauen.  Den Einwand, er hätte schon einen Vater von dem er mehrere Trachten täglich erhielt, hätte er verzichten können, da es keinen interessierte. Sein Vater hatte ihn in eine Schule gesteckt, wo er zwei verschiedene Unterrichtarten besuchen musste. Das heißt er musste den Unterricht in Deutsch besuchen, und wenn mittags die Meisten heimgingen, ohne Mittagspause, den gesamten Unterricht nochmals in persisch wiederholen. Wobei das schwierigste daran die Krakel waren. Und dann noch das Geschreibsel. Am Morgen von Links nach Rechts und am Nachmittag anders herum. Mal bestand die vornehme Lage nach Rechts gerichtet, Mal nach Links. Da aber der Knilch scheinbar zu blöd war sich zu merken, wann man wie schreibt, und wegen der vielen Trachten die ihm sein Vater spendierte, beschloss er je einen Buchstaben nach Rechts gelehnt zu schreiben, den darauf Folgenden nach links, den nächsten wieder nach rechts, und so weiter. Die Folge war ein fürchterliches Schriftbild. Da seine Adoptiveltern es nicht glauben konnten, dass man wirklich so eine  grauenhafte Handschrift hat, beschlossen sie mit ihm einen Arzt aufzusuchen. Zur Wahl standen ein Psychiater und ein Augenarzt. Man entschied sich aus Kostengründen für den Augenarzt.  Der selbst blind wie die Nacht finster, verschrieb Fatman eine Brille. Jetzt war er der einzige mit Hornbrille in der Klasse. Sehen konnte er deswegen nicht besser, aber deutlich verschwommener. Das und die Tatsache, dass sein ater ihn nun auch noch zum Flötenunterricht angemeldet hatte, genügte den Anderen um ihn, wie sie es sagten, zu formen. Dazu war eine Schule schließlich da. Und für den Vater war es immer wieder  ein Muss, zu versuchen ihn zu entformieren oder so. Ziemlich ramponiert saß der kleine Hirni nun jeden Tag bis spät abends da und versuchte seine Hausübungen wieder und immer wieder zu machen. Als ein Hindernis stellte sich dabei sein Vater heraus, der ihm jedes Mal wenn ihm das Schriftbild nicht gefiel, die Seite aus dem Heft riss. Teilweise bestanden Fatmans Hefte lediglich aus zwei Seiten. Da allerdings selbst der Lehrer nicht glauben konnte, dass einer so dumm war, nahm er an dass der ehemalige Dicke, Papierflugzeuge basteln musste oder so blöde Himmel und Hölle Faltarbeiten. Also züchtigte ihn auch dieser. Vielleicht wollte er auch nur der restlichen Klasse zeigen wie es ihnen auch ergehen könnte. Und dann gab es da noch die Backpfeifen des Musiklehrers, der nicht glauben mochte, dass der Knirps zwar versucht hatte Zuhause zu üben, aber der Vater der Misstöne überdrüssig ihm gedroht hatte, das Blasinstrument in eine seiner tieferen Körperöffnungen zu stecken. Ganz schlimm war es dann, wenn Bekannte mit Kindern auf Besuch kamen. Er musste dann immer Vorspielen. Wenn er sich weigerte, wurde er eingekleidet, und das so lange, bis er dann spielte. Waren nun die Kinder der Anderen besser im Spielen auf seiner Flöte, gab es Ersatzkleidung. Zudem grauste er sich immer so wenn die Anderen Röhren seine Flöte vollspuckten, dass es ihm regelmäßig Fieberblasen aufzog. Das war nun leider auch wieder ein Grund um eine Tracht auszuteilen. Ging doch das Familienoberhaupt davon aus, dass der Kerl schon wieder zu viele Süßigkeiten gefressen hatte. Und die waren ausschließlich für den Prinzen reserviert. Also bekam er eben eine Ohrlasche oder auch Prinzenrolle genannt.

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