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Kleine Geschichten

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Ohrschluch und Zwetschkenkrampuss

Es schien, als ob sein Vater die Erziehungsmethoden aus dem schönen persischen Märchen „Rotbäckchen und der blöde Wolf“ anzuwenden pflegte. Oder er war nur ein streng gläubiger Buddhist mit enormer Sehschwäche, der seinen Sohn einfach mit einer tibetischen Gebetsmühle verwechselt hatte. Im Wilden Westen hingegen lernte der Citrull etwas über Unwetter und Einschläge. In seiner Adoptivfamilie waren Schimpfwörter verpöhnt und so war der diesbezügliche Wortschatz bei den Kindern äußerst gering. Jahre zuvor, der älteste Bruder kam gerade von einem Aufenthalt bei seiner Tante zurück, als seine Eltern ihn fragten, ob er denn andere Kinder kennengelernt hätte. Wahrheitgemäß zählte er seine Urlaubsbekanntschaften auf. „Max, Josef, Franz und Ohrschluch“. Nach kurzer Bedenkzeit konnten die Eltern diesen „Namen“ identifizieren, da sie aus den zwei Hinweisen, Urlaubsort und dem dort gesprochenen Dialekt, die richtige Interpretation fanden. Das Kind ließen sie einfach in dem Glauben, es handle sich dabei um einen ganz seltenen Vornamen. Szenenwechsel. Eines Tages, der Kirchenbesuch war zu Ende und der Vater, ein Bruder und er standen in der Pfarrbibliothek, da nahm die Geschichte ihren Lauf. Die Geschwister suchten sich ein etwas älteres Kind heraus, um es mit ihrem gesamten Vorrat an Schimpfwörten zu konfrontieren. Der Auserwählte war ein stämmiger Bursche, der wahrscheinlich beide alleine verprügeln hätte können. Doch die zwei waren flinker, liefen davon und suchten immer wieder Schutz bei ihrem Vater. Dieser Vorfall wiederholte sich etliche Male, doch das war nicht alles, sie schnitten dabei immer Grimassen in Richtung des Gedemütigten. Leider beherzten sie nicht das Sprichwort „man sollte aufhören, wenn es am lustigsten ist“, denn aus seiner Verzweiflung heraus wandte sich der Bursche plötzlich mit traurigen Worten an ihren Vater, der die ganze Zeit über in ein Gespräch verwickelt war und so von dem Vorfall nichts mitbekommen hatte: „Die sagen immer Zwetschkenkrampus zu mir.“ Keine Ahnung ob es nur die Verwendung eines Schimpfwortes war oder aber der Wortteil Krampus – oft mit Teufel in Verbindung gebracht – in den klerikalen Hallen schon als Blasphemie angesehen wurde. Der gestrenge Vater blickte seine Kinder kurz an und gleich darauf folgte ein heftiger „Einschlag“. Zu jener Zeit hielten sich die Menschen bei einem aufgezogenen Gewitter an die Weisheiten „Buchen sollst du suchen“ und „Eichen sollst du weichen“. So falsch wie dieser Rat war auch in diesem Fall der ausgesuchte Ort an der Seite ihres Vaters. Dieses Erlebnis sollte in zweierlei Hinsicht einprägsam für „Littleman“ bleiben. Einerseits zierte ein Handabdruck sein Gesicht und andereseits, wenn Ende November die erste Zwetschkenkrampusse die Auslagen der Konditoreien zieren, läuft er noch heute laut schreiend davon.

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