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Kleine Geschichten

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Die Affenschaukel

Es wäre auch im Bereich des Möglichen, dass die Adoptiveltern ihn mit seiner orientalischen Ganzkörperbehaarung und der Angewohnheit sie mit „WAWA“ zu rufen einfach für einen Hund gehalten hatten und die Erziehungsmethoden deshalb für einen Vierbeiner ausgelegt waren.

Zurück aber in „zivilisiertere“ Gegenden. An einem schönen Herbsttag wurde beschlossen, sämtliche Kinder wieder einmal zu lüften und wählte zu diesem Zweck einen idyllischen Wald. Für die Geschwister erwies es sich wieder als besonders nützlich zwar keinen Dummy, dafür aber einen Dummie als Bruder zu besitzen. Und wie es sich für diese Landschaftsform gehört, sahen sie den Wald vor lauter Bäumen nicht, dafür aber die Unmengen an gesägtem Nutzholz, von emsigen Förstern sorgfältig gestapelt. Die Brüder machten sich sogleich ans Werk, um aus diesen Utensilien eine überdimensionale Schaukel zu bauen, die mit ihren Ausmaßen jeden Vergnügungspark schmücken hätte können. Mit drei zu einer Stimme wurde demokratisch entschieden, dem Kleinsten den Platz am Ende des Baumes zu überlassen. Er konnte nicht ahnen, dass er Teil eines Experimentes war und keineswegs nur zum Vergnügen in die Lüfte transportiert werden sollte. Es war nämlich die Zeit der Raumfahrtpioniere und die Geschwister waren sich einig, den ersten europäischen Affen in eine Erdumlaufbahn zu befördern. Um den Adoptivbruder nicht zu verunsichern verzichteten sie auf den Countdown und setzten sich einfach mit aller Kraft auf das andere Ende der Schaukel. Der Start war geglückt, der „Affe“ hob sich sogleich in die Lüfte, doch die Schwerkraft schien etwas gegen dieses Unternehmen zu haben. Statt die erste kosmische Geschwindigkeit zu erreichen, schlug er wie ein Asteroid mit dumpfem Knall in den Waldboden ein. Das leichte Knacksen das kaum zu vernehmen war stammte allerdings nicht von einem am Boden liegenden Zweig, sondern von seinem Handgelenk. Leider spüren nur Indianer keinen Schmerz, er jedoch heulte angesichts seines deformierten Armes lauthals los. Nachdem dieser mittels eines Astes fachmännisch geschient worden war, mussten die Herren des Mission Control Centers feststellen, dass der Affe wirklich zu Nichts zu gebrauchen war. Nur ein Unterarmgips zeugte von dem wissenschaftlichen Unternehmen und nach einigen Wochen sollte dieser abgenommen werden. Eigentlich keine besonders große Sache, normalerweise. In diesem Fall aber kam seine panische Angst vor Spritzen mit ins Spiel. Der Arzt versprach ihm auf seine diesbezügliche Frage lachend, dass für die Abnahme keine notwendig wäre. Er bat ihn nur noch ein wenig zu warten und begab sich ins Nebenzimmer. Durch den Türspalt bemerkte er den Doktor, der offensichtlich gegen jede Abmachung eine Injektion vorbereitete, die dafür bestimmte Patientin saß für ihn nicht erkennbar hinter der Türe. Er wollte diesen „Vertrauensmissbrauch“ so nicht hinnehmen, überlegte kurz und fragte die Sprechstundenhilfe höflich nach der Toilette. Sie zeigte ihm freundlich den Weg, er schloss die Wartezimmertüre, würdigte das WC keines Blickes und verschwand aus der Ordination. Nach etwa zwei Stunden wurde er von der inzwischen alarmierten Verwandtschaft aufgegriffen, als er ziellos durch die Straßen streifte, fest entschlossen den Gips bis zu seinem Lebensende zu tragen.

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