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Kleine Geschichten

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So eine Freud’

Wie damals üblich, verbrachten die Älpler die Sommerferien immer im Süden. Dieses Ritual wiederholte sich jedes Jahr. Man traf Bekannte aus allen möglichen Ländern, die sich ebenfalls wie Zugvögel immer zur gleichen Zeit am gleichen Ort einfanden. So kam der Dümmling in den Genuss seiner ersten Urlaubsbekanntschaft, in Form eines kleinen Mädchens. Die beiden waren von dem Tag an unzertrennlich und sie wirkten in ihrer Art auf die Umwelt wie das jüngste alte Ehepaar der Welt. Es machten sich damals schon die ersten Zeichen der später aufkommenden Emanzipation bemerkbar. Er wurde von ihr beim gemeinsamen Geschirrwaschen sofort zum Abtrocknen eingeteilt, was er umgehend und ohne zu hinterfragen erledigte. Überhaupt schien, dass er in dieser Beziehung nur die textile Hose anhatte. Bei einem Spiel jedoch, sie setzten sich in einen Wagen seiner Eltern und kutschierten im Geiste in der Gegend herum, war die jahrtausend alte Rangordnung wieder hergestellt. Denn „Autofahren“, war damals noch reine Männersache, sie durfte einzig fragen, welches Fahrzeug er für die Reise wählen würde: „Fahr’n wir mit dem Puch oder’m BMW“.

Nachdem er sich entschieden hatte, nahmen sie im entsprechenden Auto Platz, der Mann hinter dem Volant, die Frau artig auf dem Beifahrersitz. Er griff sogleich zum fiktiven Autoschlüssel und startete das Fahrzeug. Dabei schöpfte er aus dem reichen Fundus an Start- und Motorengeräuschen die er zu imitieren im Stande war. Eines Tages, wiederum auf einer „Ausfahrt“, kam etwas Langeweile auf und so beschloss man sich zur Überbrückung bzw. Auflockerung gegenseitig die von Gott gegebene Grundausstattung zu präsentieren. Bis zu diesem Zeitpunkt kannte er nur seine körperliche Gegebenheiten und die seiner Brüder, deshalb erwartete er in diesem Fall auch nichts anderes zu erblicken. Doch plötzlich musste er feststellen, dass das Leben so manche Überraschung parat hält und dachte sich heimlich, da würde irgendetwas fehlen. Seine gute Erziehung verbot ihm seiner Verwunderung Ausdruck zu verleihen, geschweige denn diesen offensichtlichen Makel anzusprechen. Er dachte nur heimlich, dem lieben Gott musste hier wohl die Knetmasse ausgegangen sein. Vielleicht würde es ja auch nachwachsen, schließlich war sie ein ganzes Jahr jünger als er gewesen. Denn er fand, dass so eine zweite Nase äußerst praktisch war, da sich doch hervorragend damit spielen ließ. Man konnte sie in alle Richtungen ziehen, Figuren in den Schnee „zeichnen“ oder oberhalb einfach ein paar  Augen aufmalen und einen Babyelefant daraus basteln. Seine Irritation kam vermutlich von der fehlenden Aufklärung, er war noch nicht einmal in die Nähe der Bienchen und Blümchen gekommen. Genau so wenig war ihm Sigmund Freud und die Phasen der psychosexuellen Entwicklung bekannt. Daher konnte der Dümmling nicht wissen, dass er sich mitten in der „Phallischen Phase“ befand. Nach diesem Erlebnis wandten sich die beiden Kinder wieder ausgedehnten Autofahrten und dem Geschirrwaschen zu, sie waren nach wie vor unzertrennlich. Kurze Zeit später erfuhr er, dass der vermeintliche Planungsfehler vom Schöpfer durchaus beabsichtigt gewesen war und wie sagte schon Albert Einstein, „Gott würfelt nicht“. In der anschließenden Latenzphase verwandelte sich der einstige Charmeur in einen boshaften Jungen, für den der Zweck von Mädchen darin bestand, dass diese sich hervorragend zum Ärgern eigneten. Zur gleichen Zeit wurde sein älterer Bruder ohne sein Wissen von einer Mitschülerin für ein paar Buntstifte an deren Freundin verscherbelt. Was würde ihm am Ende des Tunnels tatsächlich begegnen?

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