Kleine Geschichten
Spare in der Zeit, so hasst du`s .........
Faul saß in einer Ecke und versuchte seiner Kauleiste Entspannung zu zuführen.
Er hatte kurz zuvor eine Belohnung bekommen. Grund dafür war seine Nettigkeit. Eine ganze Weile hatte er nämlich sein Mittagessen an einen der geldigeren Mitschüler verschachert. Er selbst hatte entweder gefastet, oder mit seinem Schulkollegen Navid das Brot geteilt. Beide waren nur halb so dick wie der Käufer. Das aus diesem Geschäft erhaltene Vermögen wurde gespart. Damit wurden Investitionen getätigt. In Zukunftsunternehmen sozusagen. Einmal hatten beide je einen Schuhkarton voll Seidenraupen gekauft. Diese sollten mit Weinblättern gefüttert werden, bis sie sich verpuppten. Dann galt es den Kokon auszuwickeln, bevor der Schmetterling ein Loch rein machten, bzw. musste man auch welche schlüpfen lassen, die dann tausende Eier legen sollten um den Fortbestand der Seidenfarm zu gewährleisten. Und so weiter. Leider verdufteten Fauls Arbeiter, Zuhause angekommen, in alle vier Himmelsrichtungen, wo sie von dem Prinzen bzw. dessen Mutter zertrampelt wurden. Navids Farm wurde von seinem Bruder aufgefressen. Das ebenso schnelle aus.
Ein anderes Mal hatten sie jeder einen Schuhkarton voll Küken gekauft. Navids Küken rannten den ganzen Tag hinter ihm her. Als sie ausgewachsen waren verkaufte er sie und wurde reich. Fauls Küken sprangen vom Balkon und wurden von der Katze gefressen, bis auf zwei. Davon wurde eines vom Prinzen, bei dem liebevollen Versuch es zu mästen, so lange, mit einer kleinen Monsterhand das Küken am Hals festhaltend, mit Körnern gefüllt, bis ihm die Augen aus den Körperhöhlen hervortraten und es das Besteck reichte. Das Andere durfte er nicht behalten. Sein teilweise unterdrücktes Heulen wurde vom Pascha sofort belohnt. Der Nachbar servierte es ihnen Monate später zu Abendessen.
Da die Firmengründungsversuche zu statt ab nahmen, vermutete der Patriarch sofort unlautere Machenschaften des Leihfilius. Nach dem Hinweis er solle mal an die Anderen denken verließ er den flennenden Zwerg. Dieser allerdings hatte wohl nicht ganz den Sinn der letzten Gardinenpredigt verstanden. Der Pascha hatte den Saustall und Hühnerdreck in den Wohnräumen gemeint, Faul aber hatte geglaubt er solle nun jemand anderem ein Geschenk machen. Der Mörderprinz und der Prügelpascha schieden aus, so fand er. Also besorgte er am nächsten Tag eine wunderschöne Topfpflanze. Diese überreichte er der Adoptivmutter, die sofort zu Tränen gerührt zum Pasch lief. Faul bemerkte noch, er würde es nicht empfehlen mit Tränen beim Patriarch aufzutauchen. Rückhandgefahr. Wenige Minuten später stand auch schon der Familienoberst vor ihm und brüllte ihn an, ob das alles sei, und bla bla bla... Faul hörte schon lange nicht mehr hin. Aber eines war ihm klar, das Geschenk war wohl zu lumpig. Also wurden Navids und sein Firmenkonto geplündert. Am selben Tag ging er dann mit dem gesamten Unternehmenskapital ins nächste Schmuckgeschäft und er kaufte der Ziehmutter einen echten Goldring mit Elfenbeineinlage. Schön teuer. Er dachte damit wäre wohl die Sache aus der Welt. Als er den Schmuck abgegeben hatte kam es zum Eklat. Der Diktator dampfte. Er kochte und wollte nun auf der Stelle wissen, woher der Kerl solche Unsummen her hatte um den Klunker zu bezahlen. Faul erzählte ganz stolz wie er sein Vermögen gemacht hatte. Mit den Worten: “Du verkaufst nichts, wenn schenkst du es her, verstanden? Und jetzt zahlst du und Navid alles zurück und wenn es euch zwei Jahre Taschengeld kostet, und da du ja scheinbar kein Mittagessen brauchst, auch gut, bekommst du eben keines mehr!“ drehte er sich um und ging. Nicht jedoch ohne zuvor noch dem Lümmel eine auf die Sitzfläche zu donnern. Der daraufhin Losplärrende wurde kurz belohnt. Der Rest ist Geschichte. Zur Strafe durfte die Ziehmeuder den Ring behalten, Navid stand unter einem anderen Hoheitsgebiet.
Was Faul behalten durfte waren ein Handabdruck und die Erkenntnis, dass das Leben auf jeden Fall gerecht war. Oder sein musste. Oder was auch immer.